Wandern rund um Lauterbrunnen – die schönsten Touren in der Jungfrau Region

Anfang Juni verbrachten wir eine Woche in Lauterbrunnen und waren schon nach kurzer Zeit begeistert. Das Tal gilt nicht ohne Grund als eines der schönsten Reiseziele der Schweiz. Schon Goethe fand Lauterbrunnen inspirierend, und auch J. R. R. Tolkien soll sich hier Inspiration für das spätere Bruchtal aus „Der Herr der Ringe“ geholt haben. Zwischen steilen Felswänden stürzen 72 Wasserfälle in die Tiefe, während ringsherum die schneebedeckten Gipfel von Eiger, Mönch und Jungfrau aufragen. Besonders der berühmte Staubbachfall prägt das Ortsbild und sorgt für das Gefühl, mitten in einer Postkarte zu sein.

Für Wanderer ist Lauterbrunnen außerdem ein idealer Ausgangspunkt. Viele der schönsten Wanderungen in der Jungfrau-Region lassen sich von hier aus bequem erreichen. Anfang Juni waren die Bedingungen für uns perfekt: Touristisch war es noch nicht so voll, die wichtigsten Wanderwege waren bereits schneefrei, die Bergwiesen leuchteten in sattem Grün und waren voll mit Blumen bedeckt, und gleichzeitig waren die Gipfel noch teilweise mit Schnee bedeckt. Diese Kombination sorgte für beeindruckende Landschaften und angenehme Wandertemperaturen. Selbst der gelegentliche Regen war kein Problem, und ja, im Thal ist es etwas kälter als in den nahliegenden Städten.

Unser Prinzip war während des gesamten Aufenthalts gleich: Morgens mit Bahn, Gondel oder Seilbahn nach oben fahren, dort wandern und anschließend auch die Strecke runterwandern statt fahren.

Tag 1: Gimmelwald, Mürren und das autofreie Bergdorf-Feeling

Unser erster Wandertag führte uns von Lauterbrunnen zur Seilbahn in Stechelberg. Dort gibt es einen Parkplatz, alternativ könnte man auch mit dem Bus von Lauterbrunnen nach Stechelberg fahren. Kosten ca. 3 CHF p.P. Von dort kann man mit der Seilbahn nach Gimmelwald oder nach Mürren fahren. Die Auffahrt kostet für Erwachsene rund 24 CHF pro Person für die einfache Fahrt (Stand Juni 2026).

Zwischen den beiden Orten Grimmelwald und Mürren kann man auch hin und her wandern. Die angenehmste Variante ist aus unserer Sicht die Auffahrt mit der Seilbahn nach Mürren und anschließend die Wanderung bergab Richtung Gimmelwald. Die Strecke ist rund 2 km lang, dauert etwa 30 bis 45 Minuten und verläuft auf gut ausgebauten Wanderwegen. Dabei genießt man durchgehend schöne Ausblicke ins Lauterbrunnental. Von Gimmelwald kann man anschließend entweder weitere 3 Kilometer (ca. 45–60 Minuten) nach Stechelberg absteigen oder bequem die Seilbahn nutzen.

Mürren ist nicht nur eines der schönsten autofreien Bergdörfer im Berner Oberland, sondern auch ein hervorragender Ausgangspunkt für zahlreiche Wanderungen.

Wir haben eine anspruchsvolle 9 km lange Wanderung mit Blick auf Eiger, Mönch und Jungfrau gemacht. Der Blick von oben war atemberaubend und es gab immer wieder schöne Plätze zum Verweilen. Ich Ich hoffe, unsere Knie verzeihen uns die vielen Abstiege. Wer eine einfache Tour sucht, findet rund um Mürren mehrere aussichtsreiche Wege über Alpwiesen und entlang der Berghänge. Ambitionierte Wanderer können längere Touren Richtung Schilthorn, Rotstockhütte oder Grütschalp unternehmen. Für jeden ist etwas dabei.

Wir wanderten von Mürren nach Gimmelwald, nahmen dann die Seilbahn zurück nach Stechelberg und liefen schließlich noch etwa 2,5 km nach Lauterbrunnen.

Tag 2: Royal Walk und Panoramaweg am Männlichen

Am zweiten Tag ging es mit dem Zug von Lauterbrunnen nach Wengen. Die Fahrt war kurz und kostete etwa 7 CHF pro Person je Strecke. Von Wengen nahmen wir die Luftseilbahn auf den Männlichen. Die einfache Bergfahrt kostet rund 32 CHF p.P. Oben angekommen kann man direkt mit dem Royal Walk starten. Vom Bergstationsgebäude führt der Weg in rund 20 Minuten zum Aussichtsgipfel auf 2.343 Metern Höhe. Der Rundweg ist etwa 1 Kilometer lang und dauert ungefähr 30 Minuten. Von hier blickt man direkt auf Eiger, Mönch und Jungfrau. Wir hatten etwas regnerisches Wetter, dennoch war es wunderschön dort.

Anschließend wanderten wir über den ca. 6 km langen „Romantikweg“ Richtung Kleine Scheidegg. Der etwas kürzere, berühmte Panoramaweg war noch geschlossen. Für die alternative Wanderung sollte man etwa 1,5 bis 2 Stunden einplanen. Der Weg verläuft größtenteils leicht bergab auf breiten Schotter- und Naturwegen und dann kurz vor Kleine Scheidegg richtig bergauf.

Wusstest du, dass du in der Schweiz, egal wie hoch die Berge, immer mit Käse versorgst wirst? Wir sind schon oft beim Wandern auf solche Kühlschränke gestoßen, manchmal sogar mit Würsten oder frischer Milch. Die Preise sind vergleichbar mit denen in Amsterdams touristischen Vierteln.

Oben an der Kleinen Scheidegg kann man mit der Bahn auch direkt runter bis nach Lauterbrunnen fahren. Wir haben uns etwas ausgeruht und sind dann anschließend noch runter bis nach Wengen Bf gewandert. Die Strecke war ca. 7 km lang und wunderschön, natürlich ging es auch hier bergab, mit 750 m Abstieg.

Von Wengen Bf sind wir wetterbedingt weiter mit dem Zug nach Lauterbrunnen gefahren. Da wir den Abstieg komplett nach Lauterbrunnen beenden wollten, haben wir an einem anderen Tag eine 9 km lange Wanderung aus Lauterbrunnen hoch nach Wengen und dann wieder zurück gemacht. Der Ausblick hat die Anstrengung belohnt. Auf dem Weg trifft man auf charmante Einheimische, und ein Spaziergang durch das malerische Dorf Wengen ist ein Muss.

Tag 3: Oeschinensee – einer der schönsten Bergseen

Der Oeschinensee ist für viele Reisende das absolute Highlight der Schweiz, und nach unserem Besuch kann ich das nur bestätigen.

Von Lauterbrunnen fuhren wir etwa eine Stunde mit dem Auto nach Kandersteg. Direkt an der Talstation befindet sich ein großer Parkplatz.

Die Gondel bringt Besucher innerhalb weniger Minuten hinauf in Richtung Oeschinensee. In der Hauptsaison empfiehlt es sich, die Tickets vorab online zu buchen. Anfang Juni war es jedoch recht ruhig. Da wir auch hier den Berg hinaufwandern wollten, buchten wir nur die Bergfahrt. Mit dem Ticket konnten wir am Ende unsere Parkgebühr um die Hälfte reduzieren.

Schon beim ersten Blick auf den türkisfarbenen See waren wir beeindruckt. Die Farben erinnern eher an den kanadischen Moraine Lake als an Mitteleuropa.

Wir sind zunächst gemütlich entlang des Sees gewandert, der Weg steigt anschließend jedoch deutlich an und führt über schmalere Bergpfade oberhalb des Wassers. Die zusätzlichen Höhenmeter lohnen sich jedoch absolut. Von oben eröffnen sich immer wieder spektakuläre Ausblicke auf den Oeschinensee, die umliegenden Wasserfälle und die schneebedeckten Gipfel. Die 4 km lange Wanderung zurück zum Parkplatz dauert ca. 50 Minuten und der Abstieg war noch angenehm mit 370 Höhenmetern.

Tag 4: First und der Bachalpsee

Wenn man rund um Lauterbrunnen unterwegs ist, sollte man unbedingt einen weiteren Tag für Grindelwald und First einplanen. Von Lauterbrunnen erreicht man Grindelwald in etwa 30 Minuten mit dem Auto oder Zug. Mit der Gondel ging es für uns hinauf nach First. Die Hinfahrt kostet im Juni 2026 38 CHF p.P.

Direkt an der Bergstation befindet sich der berühmte First Cliff Walk. Der frei zugängliche Metallsteg führt entlang einer Felswand und endet auf einer Aussichtsplattform, die scheinbar über dem Abgrund schwebt. Der Eintritt ist bereits im Gondelticket enthalten. Viele machen Fotos genau an der Spitze der Aussichtsplattform, aber ehrlich gesagt sind die Perspektiven ins Tal rundherum nicht weniger beeindruckend. Für diejenigen, denen bei dem Gedanken an einen durchsichtigen Weg über dem Abgrund die Knie weich werden, ist der Cliff Walk auch kein Muss.

Anschließend wanderten wir zum Bachalpsee. Die Strecke umfasst rund 6 Kilometer hin und zurück und dauert etwa 1,5 Stunden. Der Weg zählt zu den einfachsten Panorama-Wanderungen der Region. Er verläuft über breite Schotterwege mit nur wenigen Steigungen und eignet sich daher auch hervorragend für Familien oder Wanderanfänger. Anfang Juni war der Bachalpsee noch teilweise zugefroren und von Schnee umgeben, was ein einzigartiges Erlebnis war. Leider war der Tag bewölkt, was dem Ort jedoch eine geheimnisvolle Atmosphäre verlieh.

Nach unserer Pause am Bachalpsee sind wir zunächst auf demselben Weg zurück zur Bergstation First gewandert. Von dort sind wir zu Fuß bis nach Grindelwald abgestiegen. Die rund 9 Kilometer lange Wanderung führt über etwa 1.000 Höhenmeter bergab und dauert ungefähr 2,5 Stunden. So konnten wir den Wandertag mit weiteren schönen Ausblicken auf das Grindelwalder Tal ausklingen lassen.

Alternativ kann man von First natürlich auch bequem mit der Gondel zurück ins Tal fahren. Wer noch mehr Zeit und Kondition mitbringt, findet rund um First außerdem zahlreiche weitere Wanderungen, beispielsweise Richtung Grosse Scheidegg oder auf aussichtsreichen Panoramawegen oberhalb von Grindelwald.

Fazit & Tipps

Unser letzter Tipp für die Reiseplanung: Viele Hotels und Ferienwohnungen in der Region stellen ihren Gästen einen Gästepass zur Verfügung. Damit sind Rabatte auf Bergbahnen, Gondeln, öffentliche Verkehrsmittel oder verschiedene Freizeitangebote verbunden.

Wer mehrere Ausflüge rund um Lauterbrunnen plant, sollte einen Blick auf die verschiedenen Pässe werfen. Besonders bekannt ist der Berner Oberland Pass, der ab 240 CHF für drei Tage erhältlich ist und viele Bahn- und Bergbahnfahrten in der Region abdeckt. Alternativ gibt es den Swiss Travel Pass ab 254 CHF für drei Tage, der in der gesamten Schweiz gültig ist. Gerade beim längeren Aufenthalt oder mehreren Ausflügen können sich diese Rabatte schnell lohnen. Für uns hätten es sich nicht gelohnt, da wir viel zu Fuß gegangen sind.

Ach Schweiz… Am Ende waren zwar unsere Beine müde und die Portemonnaie etwas leichter, die Erinnerungen an diese Bergwelt sind dafür umso wertvoller geblieben.

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